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Komische Odyssee gen Rom

KULTUR Geschichtenenzähler Alvaro Solar begeistert im voll besetzten Fischerhaus

DAS MULTITALENT ÜBERZEUGTE MIT SCHAUSPIEL UND MUSIK. AUF DER BÜHNE STEHEN NEUN FIGUREN. VON KAROLINE SCHULZ

RAKE - Über rund 50 Muskeln verfügt der Durchschnittsmensch in seinem Gesicht – der Durchschnittsmensch wohlgemerkt. Alvaro Solar ist überdurchschnittlich. Wenn der Geschichtenerzähler auf der Bühne abwechselnd einen hispanischen Musiker, einen römischen Impresario („Talentscout“), eine germanische Schönheit, deren Hund und noch viele Figuren mehr verkörpert und er jeder davon sein ganz individuelles mimisches Repertoire zur Verfügung stellt, dann dürften bei Alvaro Solar einige Muskeln mehr beteiligt sein.

Extrem vielseitig präsentiert sich Solar seinem Publikum am Mittwochabend im voll besetzten Braker Fischerhaus nicht nur auf der darstellerischen Ebene, sondern auch klanglich. So entführt er mit seinem Stück „Ibericus – Nicht alle Wege führen nach Rom“ ans rauschende Mittelmeer, auf einen übervölkerten Sklavenmarkt oder in den dunklen germanischen Wald, in dem nichts als das Herzrasen Dutzender römischer Legionäre zu hören ist. Mittels Fußpedal zeichnet das Multitalent die Hintergrundgeräusche zu seinen Musikstücken auf der Bühne auf, um sich sogleich selbst zu begleiten.

Es ist gewissermaßen die komische Variante der Odyssee, die Alvaro Solar seinen Protagonisten Ibericus erdulden lässt. Schließlich haben die Römer alles von den Griechen geklaut! Und Ibericus möchte einer von ihnen sein, von den Römern versteht sich. Auf seinem Weg nach Rom bleibt dem Musiker nichts erspart. Um sein Ziel zu erreichen, ist er sogar bereit, sich auf dem Sklavenmarkt anzubieten und als Legionär gegen die Germanen zu kämpfen.

Ibericus landet jedoch überall – nur nicht in Rom. Auf seiner Irrfahrt trifft der Barde unter anderem auf die germanische Schönheit Gudrun. Ihr verfällt der drei Köpfe kleinere Hispanier mit Haut und Haar. Er begleitet sie in ihr Dorf und muss sich dort gegen Gudruns dominante Mutter Thusdra zur Wehr setzen. „Hätte ich eine germanische Hose gehabt – ich hätte sie voll gemacht!“, gibt der noch immer in römische Legionärskluft gekleidete Ibericus zu.

Am Schluss gelangt Ibericus schließlich doch noch in das Land seiner Träume – um festzustellen, dass es nicht hält, was es versprach. Folgerichtig mit seinem Lied „Adiós Roma“ verabschiedet sich Ibericus, und mit ihm Alvaro Solar, von seinem begeisterten Publikum.

 

Kieler Nachrichten
Hocherhitztes Energiebündel: Alvaro Solar als Ibericus
Wie Ibericus ist Alvaro Solar ein strampelndes Stehaufmännchen, ein sprühender Selbstdarsteller, der seine Augenbrauen einzeln tanzen lassen kann. Dieser Maßschneider der Grimassen ist spielend knurrender Hund, Löwe, Pirat und Marktschreier in einer Person.
Dieser Selfmademan baut sich auch seine Geräuschkulisse selbst. Mit dem Mund produziert er seltsame Detonations- und Zischgeräusche, dazu ein diffuses Quieken – Töne, die er vor unseren Ohren mit wenigen Tritten auf zwei Pedale für Aufnahme und Wiedergabe zu einem verträumt-mediterranen Meeresrauschen-mit-Möwe mischt.
Aus Fingertrommelei entsteht punktum ein Herzklopfen und gleich darauf eine Reitershorde. Mit Schnarren, Klopfen und Rasseln stemmt er mit Leichtigkeit eine ganze Kombo – olé!...
Es wird immer gut, wenn Ibericus wieder in große Bedrängnis gerät, denn wo die Not am größten ist, wächst Ibericus über sich hinaus. An Dario Fo trainiert, bricht das Expressive aus ihm heraus, rettet sein Leben durch die Musik.
Gerald Koll(Kiel/Deutschland)

 

AZ München
DIE GANZE WELT IST LÜGE
"Ibericus - Nicht alle Wege führen nach Rom" heißt das furiose Solo, das vorerst nur zweimal im Münchner Lustspielhaus gezeigt wurde. Ein Publikumserfolg - also darf man an Wiederholungen denken. ....
...Solar ist ein Abenteuerer des Self-Made-Theaters, der aus lauter Lust am Alleskönnen dem Affen gelegentlich zu viel Zucker gibt. Aber er mischt - nonstop Musik-Krach produzierend - auch tödliches Arsen in die Biografie eines Träumers, der durch die Hölle unbedingt ins Paradies will. Erkenntnis: Rom ist auch nicht mehr das der Gechichtsschreiber. Oder die ganze Welt ist eine Lüge.
Gert Gliewe (München/Deutschland)

 

Weser Report
Alvaro Solar gastiert mit neuem Stück in der shakespeare company
Eigenartig ist das. Da steht ein Mann ganz allein auf der grossen Bühne am Leibnitzplatz, um ihn herum nur ein paar Instrumente, keine Kulisse, nichts. Binnen 15 Minuten sind es Hunderte von Sklaven, Rebellen, Römer und ein einzelner Hispanier, die sich auf der Bühne tummeln. Doch an der Besetzung hat sich nichts geändert. Einer spielt sie alle: Alvaro Solar.
Ein hintersinniges Stück mit viel Humor, dem der Spannungsbogen von Hispanien über Griechenland nach Germanien und Rom mit einem bremischen Schlenker geschickt gelingt. Slapstick, Percussion, Witz und der virtuose Einsatz von Händen, Füßen und Zähnen zur Geräuscherzeugung sind Solars Mittel, die das Premierenpublikum zu Lachsalven hinriss. “Flatsch, tschung, pah, platsch" Solar wirbelt auf der Bühne und zwischen seinen Rollen, es staunt das Publikum - in einem Wort: Boah.
Astrid Labbert (Bremen/Deutschland)

 

Süddeutsche Zeitung
Alvaro Solar - Piff paff trommel
Solar versteht sich auf's Beste darauf, Elemente des Schauspiels und der Pantomime mit dem ihm ureigenen musikalischen Rhythmus zu kombinieren, so dass daraus eine Einheit entsteht.
Die könnte man in diesem Fall vielleicht am ehesten als "gespielten Comic" mit Musik bezeichnen. "Stampf stamnpf" - eine Legion rückt an. "Piff paff, trommel" - die Sclacht beginnt. Und ob römischer Zenturio, griechischer Sklavenhändler oder germanisches Weibsbild, ihm genügen kleine Kniffe, um sie alle lebendig werden zu lassen.....Solar ist ein moderner Geschichtenerzähler, dem man ewig zuhören möchte.
Bettina Sonnenschein (München/Deutschland)


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